Unicef:
Schulbildung für alle kostet nur zwölf Milliarden Mark extra
Genf 8.12.98(dpa) - Mit zwölf Milliarden Mark extra pro Jahr könnte man
in zehn Jahren weltweit allen Kindern eine Schulausbildung
garantieren. `Das ist deutlich weniger als die 18 Milliarden Mark,
die in Europa jedes Jahr für Eiscreme ausgeben werden", stellt das
UN-Kinderhilfswerk (Unicef) in seinem am Dienstag in Genf
veröffentlichten Jahresbericht fest.
Um vom Jahr 2010 an zumindest eine Grundschulbildung für alle zu
finanzieren, müßten vor allem die Erziehungsetats in den Ländern
Afrikas und Südostasiens deutlich aufgestockt werden. Im Nahen Osten
und in Nordafrika werden derzeit durchschnittlich 2,5 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung ausgegeben; im restlichen
Afrika sind es 1,9 Prozent. In der Region Ostasien/Pazifik fließen
laut Unicef sogar nur 1,2 Prozent des BIP in die Schulbildung.
Erheblich gelitten habe in den letzten Jahren auch das
Bildungsangebot in den ehemaligen Ostblock-Staaten, hieß es. Zu
Zeiten des Sozialismus seien die Lehrmethoden zwar oft autoritär und
unmodern gewesen. Dafür hätten aber fast alle Jungen und Mädchen
zwischen sechs und 14 Jahren die Schule besucht. Dies sei heute nicht
mehr überall garantiert. Neue Schulgebühren, teure Bücher und die
wegen schlechter Bezahlung gesunkene Arbeitsmoral vieler Lehrer
behinderten die Ausbildung der Kinder ebenso wie die mangelnde
Instandhaltung vieler Schulgebäude. In Kirgisistan, Moldawien und
Mazedonien könnten Klassenräume teilweise nicht einmal mehr im Winter
beheizt werden.
Positiv hebt der Unicef-Jahresbericht hervor, daß Mädchen bei der
Schulausbildung weltweit nicht mehr so stark benachteiligt werden wie
noch vor einigen Jahren. Vor allem in den Staaten Nordafrikas und des
Nahen Ostens seien erhebliche Fortschritte erzielt worden, hieß es.
In Jordanien und Bahrain besuchten mittlerweile genau so viele
Mädchen wie Jungen die Grundschule.
Auch in Saudi-Arabien sei das Problem inzwischen fast gelöst. In
Marokko existiere allerdings noch eine erhebliche Diskriminierung der
Mädchen. Dort werden laut Unicef 19 Prozent mehr Jungen als Mädchen
eingeschult. |
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