Beschäftigung.
Ca 250.000 Sozialarbeiterinnen und
Sozialarbeiter mit FH - Abschluß sind in der BRD (Zahlen aus Österreich und der Schweiz
liegen mir nicht vor) lohnabhängig beschäftigt. Am Arbeitsmarkt ist dieser
Beschäftigungssektor in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet worden. Die Sozialarbeit
ist eines der wenigen prosperierenden Berufsfelder, nach der EDV-Branche. Jährlich werden
ca 7.000 SozialarbeiterInnen an Fachhochschulen ausgebildet. Diese Zahl an neuen
Arbeitskräften wird in den kommenden Jahren den Bedarf - durch die hohe Zahl der
beruflich Ausscheidenden (vgl. Jugendhilfestatistik als Indikator) - nicht voll decken
können. Trotz des allgemeinen Jammerns in Teilen der Profession und pessimistischer
Unkenrufe, finden wir hier ein stabiles Segment im Arbeitsmarkt (Die Situation von anderen
Fachkräfte z.T. mit Uni-Abschluß sieht sicher schlechter aus)!
Lohnabhängig Beschäftigte sind in der Regel
gewerkschaftlich organisiert, um ihre Rechte und Interessen kollektiv zu vertreten. Ein
großer Teil unserer Berufsgruppe ist daher bei ver.di organisiert, der Gewerkschaft, die
Tarifverträge mit den öffentlichen Arbeitgebern, als auch mit Teilen der
frei-gemeinnützigen Träger abgeschlossen hat. Zur Zeit ist der Tarifvertrag für den
Sozial- und Erziehungsdienst aktuell, der vor einigen Jahren neu verhandelt worden ist. Er
stellt - wie viele Tarifverträge - einen Kompromiß dar. Durch die Regelungen in diesem
Tarifvertrag hat sich eindeutig die Beschäftigungssituation der ErzieherInnen verbessert.
Sie waren allerdings, von Beginn an, aktiv an den Aushandlungsprozessen beteiligt; haben
durch Streiks Stärke signalisiert, während SozialarbeiterInnen in den
Auseinandersetzungen eher durch schläfriges Verhalten geglänzt haben. Nun haben wir
einen Tarifvertrag, der in absehbarer Zeit wohl nicht wieder verhandelt wird. Sein
Kennzeichen sind sogenannte unbestimmte Rechtsbegriffe für den Kanon der Tätigkeiten.
Dies bedeutet, daß viele berufliche Tätigkeitsfragen gerichtlich erkämpft werden
müssen. Zur Zeit gibt es erst wenige Grundsatzentscheidungen. Vor diesem Hintergrund
bedarf es einer intensiven Diskussion in der Kollegenschaft über den Stand der
gerichtlichen Eingruppierungstreitigkeiten.
Stellungnahmen, Gerichtsurteile, Kommentare und Auslegungen
zu Tarifvertrag könnten hier gesammelt und veröffentlicht werden. Denn kollektives
Handeln setzt auch einen gemeinsamen Kenntnisstand voraus.
Dokumente der Einzelgewerkschaften zu Fragen der beruflichen
Sozialarbeit sowie fachliche Positionen aus gewerkschaftlicher Sicht können zeigen, wer
aktiv an der Entwicklung der Profession beteiligt ist
Die berufspolitische Interessenvertretung ist im
gewerkschaftlichen Umfeld eher schwach ausgeprägt. Die Berufsverbände der Sozialarbeit
haben nach jahrzehntelangen Kämpfen jetzt den Sprung zu einem Verband geschafft. Im DBSH
finden sich ebenfalls engagierte BerufskollegInnen. Aus meiner Sicht bedauerlich, daß
sich wg. falscher Tarifvertretung dieser Verband der "Tarifgemeinschaft des
öffentlichen Dienstes" angeschlossen hat, einer dem Beamtenbund entsprungenen
Tarifgemeinschaft, die tarifpolitisch reaktionär handelt (Sorry, aber meine Position).
Aber nichts desto weniger werden auch dort berufspolitische Debatten intensiv und
engagiert diskutiert.
Berufspolitische Entschließungen und Diskussionspapiere
sollten auch hier zur Debatte und Anregung zu finden sein.
Soziale Probleme treten zunehmend als
transnationale auf. Im Rahmen globalisierter (internationaler) Ökonomie, gleichen sich
auch die Probleme und Folgen - vor allem auch durch den zu erwartenden einheitlichen
Währungsraum in der EU - europaweit an.
Sozialarbeit hat sich dieser sozialpolitischen
Herausforderung zu stellen. Angefangen bei der Forderung nach einer europäischem
Sozialunion, bis hin zu Rolle der Sozialarbeit in einem europäischen Gesellschaftsmodell,
beginnt erst ein Nachdenken in der Profession. Die IFSW (International Federation of
Social Worker) als Dachorganisation europäischer Berufsverbände der Sozialarbeit
organisiert diese Diskussion auch europaweit. Zeitweilig hat sich auch der europäische
Gewerkschaftsbund an den Diskussionen beteiligt.
Dokumente, Diskussionspapiere zur europäischen Dimension
der Sozialarbeit, europäische Netzwerke und Anregungen zum europäischen Austausch der
Profession werden hier hoffentlich zum konstruktiv-kritischen Europa-Dialog einladen.
Christoph Kusche
www.sozialarbeit.de
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